Flaschenpost 





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Wer kennt sie nicht, König Artus und seine glorreichen Ritter der Tafelrunde?


Artus gilt als der Inbegriff des edlen Ritters und beschäftigt die Vorstellungskraft von Menschen seit ewigen Zeiten.

Die Anfänge der Legenden um die sagenhafte Burg Camelot, den Zauberer Merlin, das Schwert Excalibur und die Suche nach dem Heiligen Gral verlieren sich in der Urzeit keltischer Kultur und die Erzählungen wurden zur wichtigsten Identifikatiionsfigur der Kultur Britanniens und nicht nur dieser.

Artus als Prototyp des siegreichen Kämpfers und guten Königs diente wie kein anderer als Projektionsfläche durch die Jahrhunderte. Bis in die Jetztzeit haben sich Mächtige immer wieder auf ihn berufen. Geschichten über Artus waren die ersten, die nach der Erfindung des Buchdrucks in England gedruckt wurden. 
Jackie Kennedy inszenierte ihre Familie und die Präsidentschaft von JFK als  “amerikanisches Camelot“ und das Weiße Haus als ein Ort der Edelsten und Besten.
  
Immer, wenn es darum ging, die eigene Macht zu legitimieren und ideologisch abzusichern, sich selbst auf höhere Werte zu berufen und mit einem Idealbild zu identifizieren, war der Rückgriff auf die Heilsfigur des König Artus die passende Strategie. Ganz besonders in Zeiten von Krisen, beispielsweise während der Invasion der Angelsachsen oder während der Zeit der Rosenkriege hatten die Legenden um König Artus in England Hochkonjunktur. Die Sehnsucht nach einer angeblich besseren Vergangenheit und die Vision einer starken und einigenden Figur sollten Stabilität in die eigene elende Gegenwart bringen. 

Dabei zeigen die Geschichten um die Ritter der legendären Tafelrunde alles andere ideale Wirklichkeiten. Weder Verrat noch Untreue, Verstrickung, Hass, Missgunst und Inzest werden ausgelassen und geraten am Ende Artus und dem sagenhaften Camelot zum Verhängnis.

Die tiefe Sehnsucht nach einer stabilen und nachhaltigen Neuordnung der Welt, nach gerechteren Verhältnissen und danach, unser Leben in einer grossartigen Gemeinschaft und als edle Helden oder starke Heldinnen zu verbringen, ist jedoch ungebrochen. König Artus schläft einen ewigen Schlaf auf der Insel Avalon und kann jederzeit aus der Anderswelt zurückkehren.

Die gegenwärtige Krise scheint es uns aufzugeben, unsere Welt zu verändern und neu zu denken. Die Sehnsucht nach Heilung, die Suche nach den Heiligen Gral bleibt. Was ist er für Dich? 



Flaschenpost 2

Heute möchte ich Euch mitnehmen auf eine weite Reise. 
Sehr weit. Es geht nämlich down under. Nach Australien…

 
 
Und zu einer dort sehr bekannten Kinderbuchautorin, Cecilia May Gibbs.
 
In Australien gibt es eine frühe, ausgeprägte und bis heute vielfältige Tradition an Kinderbüchern. Die wenigsten davon kennen wir, da kaum eines der Bücher ins Deutsche übersetzt wurden. Zwei der zeitgenössischen KinderbuchschreiberInnen haben sogar den wichtigsten Kinderbuchpreis, den  Astrid Lindgren Memorial Award gewonnen, nämlich Shaun Tan und Sonya Hartnett. 
 
Beständige Lieblinge der australischen Kinderliteratur sind Dorothy Wall, Ethel Pedley, Norman Lindsey, Ruth Park und Mem Fox, fast alles Autorinnen. So auch die Künstlerin, um die es heute geht, nämlich May Gibbs. 
 
Alle diese AutorInnen arbeiten mit Anthropomorphismen, das heisst sie haben die Kreaturen des australischen Buschs durch ihre Art der Darstellung an die Menschen herangerückt und damit sozusagen zum Leben erweckt. Und May Gibbs war die Pionierin auf diesem Feld.
 
Denn der australische Busch galt -und wir reden hier natürlich aus der Sicht der Sträflinge und später der weissen Siedler, die in Australien ankamen- lange Zeit als tödlicher Ort des Schreckens. Expeditionen ins Hinterland endeten häufig im totalen Fiasko, wie etwa die bekannte Unternehmung dieser Art von Burke und Wills  im Jahre 1861. Dementsprechend wurden die Kinder davor gewarnt, in den Busch zu laufen. 
 
May Gibbs gelang es, gespeist aus ihren eigenen positiven Kindheitserfahrungen, ein ganz anderes Bild der einheimischen Flora und Fauna zu erschaffen. Mit ihren „Tales of Snugglepot und Cuddlepie“ aus dem Jahre 1918  erfand sie ein Ensemble von Buschland-Charakteren, die für das Selbstverständnis und die Volkskultur Australiens bis heute prägend sind. 
 
Die Autorin wurde in England geboren, kam jedoch bereits mit vier Jahren nach Australien,  studierte später Kunst in London und kehrte nach Australien zurück. Sie schuf als erste eine einheimische Bilderwelt mit ihren Buch-Illustrationen, Comicstrips und Titelblättern von Zeitschriften und war damit äusserst erfolgreich. Diese Miniaturwelt taugte dazu, während des ersten Weltkrieges dem Bedürfnis nach patriotischer Identifikation nachzukommen, entsprach aber auch dem sich entwickelnden Bedürfnis nach Naturpädagogik und Freiluftaktivitäten. 
 
In der Gestalt der Gumnut-Babys (der Eukalyptus-Babys) verkörpern sich diese Pflanzen, sie erscheinen in vermenschlichter Form und verwandeln den furchteinflössenden Busch in einen Ort der Verzauberung. Auf diese Weise schuf May Gibbs eine Fantasyliteratur, die geprägt und inspiriert von der Landschaft Australiens war, und die damit umgekehrt die Wahrnehmung dieser Lebenswelt prägte und kulturspezifisch für das australische Selbstbewusstsein wurde. 
 
 
Bei Menschen ist dies so: Die Wahrnehmung unserer Lebensrealität wird im wesentlichen kulturell bestimmt, das heisst über die Bilder aus Literatur und Kunst, die sich uns vermittelt haben. Bis in die Romantik galt der Wald auch hierzulande eher als ein Ort des Schreckens, die Bewunderung für Landschaften entstand nicht vor dem 18. Jahrhundert. Durch das Wahrnehmen, Aufschreiben und Darstellen unserer Welt entstehen Bilder in uns. Das ist die Art und Weise, wie wir unsere Realität kreieren, durch bewusstes Wahrnehmen und indem wir dann dem Wahrgenommenen Ausdruck verleihen. 
 
Das ist das Geheimnis von Heimat: Eine Realität, die wir uns immer neu erschaffen. 
Und darin liegt die befreiende Kraft von Schreiben und von jeglicher Art der Kreativität: dass wir im Akt der Neuschöpfung eine neue Realität erschaffen und sie zu unserer machen oder umgekehrt  eine Realität erst sichtbar machen, von der wir uns dann auch wieder lösen können. 
 
Und dazu mag ich Dich immer wieder einladen, Dich selbst auszudrücken und Deine Wahrnehmungen mit der Welt zu teilen. Du kannst Dich ausdrücken über den Körper, über Sprache, über Malen und vieles andere. 
 
Auf welche Weise drückst Du Dich am liebsten aus?





#flaschenpost

Unsere stärkste Kraft ist unser Geist - im Sinne von Vorstellungsvermögen, Glauben und Kreativität. Diese “unsichtbare Welt“ ist unser eigentliches Potential, ist so viel wirkmächtiger und kann so viel mehr erschaffen, als Du bisher vielleicht geahnt hast.

In diesem Format stelle ich phantastische Welten vor, die schon von Menschen erdacht und beschrieben wurden und Dir als Inspiration dafür dienen können, Deine ganz eigene Schöpferkraft zu entfalten.







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